Psychose ist ein Begriff aus der Psychiatrie, der ursprünglich alle Arten psychischer Erkrankungen umfasste. Heute beschreibt er einen Zustand, in dem die Verbindung zur Realität gestört ist. Menschen erleben Dinge, die andere nicht wahrnehmen, oder entwickeln Überzeugungen, die mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen.
Die Symptome einer Psychose können vielfältig sein. Manche Menschen hören Stimmen oder sehen Dinge, die nicht da sind – das nennt man Halluzinationen. Andere entwickeln feste Überzeugungen, die offensichtlich falsch sind, aber sie sind davon überzeugt – das sind Wahnvorstellungen. Das Gefühl für die eigene Person kann sich verändern, und die Grenze zwischen Ich und Außenwelt verschwimmt manchmal.
Die Entstehung einer Psychose ist komplex. Es gibt kein einzelnes "Gen für Psychose" oder eine eindeutige Ursache. Stattdessen spielen mehrere Faktoren zusammen: die genetische Veranlagung, Erlebnisse während der Kindheit, Stress, manchmal auch Substanzen wie Cannabis oder Alkohol. Das Gehirn zeigt bei Menschen mit Psychosen Veränderungen in der Kommunikation zwischen Nervenzellen – besonders im Dopamin- und Glutamat-System.
Es gibt verschiedene Erkrankungen, bei denen Psychosen auftreten können. Die bekannteste ist die Schizophrenie, aber Psychosen können auch bei schweren Depressionen, bipolaren Störungen oder nach dem Konsum bestimmter Substanzen auftreten. Manchmal sind sie auch Folge körperlicher Erkrankungen – etwa bei Tumoren, Infektionen oder Stoffwechselstörungen.
Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens an einer Schizophrenie. Das Risiko ist erhöht, wenn Eltern oder nahe Verwandte betroffen sind. Bei eineiigen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit bei etwa 50 Prozent, wenn ein Zwilling erkrankt ist.
Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen erleben nur eine einzige psychotische Episode in ihrem Leben. Bei anderen kommt es zu wiederkehrenden Phasen mit beschwerdefreien Zeiten dazwischen. Wieder andere haben anhaltende Symptome. Eine frühe Behandlung kann den Verlauf positiv beeinflussen und eine Chronifizierung verhindern.
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Erkrankung. Meist kommen Antipsychotika zum Einsatz – Medikamente, die die Symptome lindern. Daneben spielen Psychotherapie und soziotherapeutische Maßnahmen eine wichtige Rolle. Es geht darum, den Alltag zu strukturieren, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und mit der Erkrankung leben zu lernen.
Menschen mit Psychosen haben ein erhöhtes Risiko für weitere Erkrankungen und Suizid. Die Lebensqualität kann stark beeinträchtigt sein. Dennoch ist es möglich, mit der richtigen Unterstützung ein erfülltes Leben zu führen. Die moderne Psychiatrie versteht Psychosen nicht mehr als "Geisteskrankheit" im alten Sinne, sondern als behandelbare Störung der Hirnfunktion.